Faszination Fußball

Schon von Weitem kann Alic Kaiser die Allianz Arena erkennen. „Wie ein überdimensionaler weißer Autoreifen!“, sagt sie beeindruckt.

Für sie ist es zwar nicht das erste Mal in München, jedoch schaut sie sich erst heute das Stadion des FC Bayern München an. Sie selbst ist eigentlich kein Fußball-Fan, doch bei den Spielen während der WM oder EM feuert sie auch gerne die deutsche Mannschaft an. Wieso sie sich dennoch heute die Allianz Arena ansieht, ist ganz einfach: „Ich habe die Karten für die Tour an meinen Mann und meine beiden Kinder verschenkt. Deshalb bin ich sozusagen nur die Begleitperson.“, erzählt sie lächelnd.

Angekommen im Inneren des Stadions, beginnt auch schon die Arena Tour. Der Guide Paul Kammer ist scheinbar mit großer Leidenschaft dabei. Er führt die Gruppe zuerst auf den Mittelrang der Arena und erzählt stolz, dass das Stadion bei jedem Spiel ausverkauft sei und Tausende von Fans darauf warten würden, sich hier auch einmal ein Spiel ihrer Mannschaft ansehen zu können.
Die Allianz Arena wurde primär für die Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gebaut und nach einer Bauzeit von drei Jahren 2005 eröffnet. Sie ist eine reine Fußball-Arena und in ihr waren bis vor einem Jahr neben den Spielen des FC Bayern auch die von 1860 München zu sehen. Insgesamt bietet sie Platz für 75.000 Zuschauer.

Die Besuchergruppe nimmt auf dem Mittelrang Platz und alle schauen sich erst einmal sichtbar beeindruckt um. „Die Größe ist wirklich imposant. Das Fassungsvermögen für so viele Menschen – Wahnsinn.“, sagt Kaiser fasziniert. Auf die Idee des Guide hin, testen alle zusammen dann die Akustik der Arena. Auf drei rufen sie „Tor!“ und der Schall breitet sich auf alle Ränge aus. „Bei gefüllter Arena erzeugt das bestimmt eine unglaubliche Gänsehaut.“, vermutet sie. Paul Kammer erklärt, dass die besondere Akustik des Stadions durch die Architektur entsteht. Jeder Zuschauer sollte eine gute Sicht auf das Spielfeld haben. Daher wurden die Ränge so gebaut, dass auch die Person, die ganz oben sitzt, aus maximal 30 Metern das Spiel sehen kann. „So steil wie eine Skischanze – 30 Grad.“, berichtet Kammer.

Weiter geht es dann in die Katakomben des Stadions und die darin untergebrachten Mannschaftskabinen.  Dies scheint für die anderen Teilnehmer der Führung nochmal ein echtes Highlight zu sein. Begeistert suchen sie die Bilder über den Plätzen der Spieler ab. „Guck mal, Papa! Da zieht sich Müller immer um!“, ruft ein kleiner Junge ganz aufgeregt.
Nach einigen Fotos folgt die Gruppe Paul Kammer dann zu dem sogenannten Spielertunnel. Dieser führt unterhalb der Tribünen über eine Treppe direkt auf den Rasen. Auf den Vorschlag Kammers hin, stellen sich alle in Zweier-Reihen auf und laufen begleitet von einem Fan-Lied des FC Bayern den Weg, den auch die Spieler jedes Mal gehen, um auf das Spielfeld zu gelangen. Besonders die Kinder, aber auch die erwachsenen Männer scheinen diesen Moment sehr zu genießen, denn sie treten strahlend die Treppen in Richtung Rasen hinauf. Dort muss dann aber auch angehalten werden, denn dieser darf nicht betreten werden. Der Blick auf die komplette Arena aus der Froschperspektive lässt das ganze Bauwerk noch viel größer wirken.
Besondere Aufmerksamkeit schenkt der FCB dem Rasen. Kammer erklärt, dass dieser vor jeder Saison erneuert werde und seine Pflege sowohl eine Rasenheizung, als auch UV-Bestrahlungen beinhalte, die insbesondere an den Stellen eingesetzt würde, die von der natürlichen Sonneneinstrahlung nicht ausreichend getroffen werden. „Das hätte ich niemals gedacht, dass für den Rasen ein so hoher Aufwand betrieben wird!“, sagt Alic Kaiser erstaunt.

Kurz bevor die 60 Minuten der Tour beendet sind, zeigt Kammer den Teilnehmern die Außenfassade der Allianz Arena. Für ihn sei diese ein weiteres Highlight, da sie die größte beleuchtbare Fläche der Welt ist. Eine LED-Technik ermöglicht es, die Arena in 16 Millionen Farben erstrahlen zu lassen. Die meiste Zeit über leuchte sie aber in rot – der Farbe des FC Bayern. Die Wölbungen in der Fassade, die wie geformt aussehen, sind in Wahrheit rund 2.700 Luftkissen aus einer Plastikfolie, die dauerhaft aufgeblasen werden. Diese Information lässt Alic Kaiser etwas aufhorchen. „Dass die Luftkissen aus Plastik sind, hat mir zuerst zu denken gegeben, da dieses ja bekanntlich nicht sehr umweltfreundlich ist. Jedoch sei sie ja wohl selbstreinigend und habe daher eine lange Lebensdauer. Generell, dass so viele Möglichkeiten bei der Beleuchtung bestehen, finde ich klasse.“

Die Teilnehmer verabschieden sich schließlich mit einem kleinen Applaus von Paul Kammer und nutzen anschließend die Gelegenheit, die FC Bayern Erlebniswelt zu besuchen. Diese ist wie ein kleines interaktives Museum auch in der Arena vorhanden und zeigt die komplette Geschichte des Vereins. Auch die Familie Kaiser schlendert durch die Ausstellung. Kurze Videos, Nachbauten aller gewonnenen Pokale sowie die aktuellen Bayern-Spieler als Pappfiguren sind hier zu sehen.

Mit sehr vielen gesammelten Eindrücken verlässt die Familie dann die Arena. Ganz schön viel Fußball für einen Vormittag und vor allem für jemanden, wie Alic Kaiser, die sich doch gar nicht so sehr dafür interessiert, könnte man meinen. Doch ihr Resümee fällt äußerst positiv aus: „Die Arena Tour war sehr informativ und auch für Nicht-Fachkundige wie mich geeignet. Man konnte Fragen stellen und da die Führung sehr lebendig gestaltet war und man vor Ort alles mit den Sinnen wahrnehmen konnte, war alles gut zu begreifen. Und nun setzen wir uns erstmal gemütlich in die Sonne in einen Biergarten!“
Für Alic Kaiser also scheinbar ein gelungener Vormittag mit Einblicken, die sie wahrscheinlich nicht bekommen hätte, wenn sie die Karten nicht an ihre Familie verschenkt hätte. Ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr es sich doch lohnt, den eigenen Horizont einmal zu erweitern.

*Namen geändert

2 Antworten auf „Faszination Fußball“

  1. Vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung der Arenabesichtigung. War da selber noch ned 😀

    Wirklich schöner Blog. Werde mich im Laufe der Zeit durch die Beträge stöbern.
    Merci auch für die Nicht-Einbindung von externen Anbietern/Cookies usw.

    Weiter so und Grüße aus München

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